Sonettenkranz „Lied der Sterne“

I. Sphärenklänge

 

Noch in Äonen werden Sterne prangen,

sie schenken uns des Nachts ihr sanftes Licht.

Und scheinen sie am hellen Tag auch nicht,

sind wir doch stets von ihrem Glanz umfangen.

 

In alten Zeiten ihre Lieder klangen,

voll Poesie, so zart wie ein Gedicht.

Doch bald verhüllte sich ihr Angesicht,

dass ihre Weisen nicht mehr zu uns drangen.

 

Könnt ihr in unsrer Zeit kaum Sternlicht seh'n,

lasst euch doch weiter durch den Zauber leiten,

lasst ihn wie Äther durch die Herzen weh'n.

 

Dafür müsst ihr nur Geist und Seele weiten,

um endlich das Geheimnis zu versteh'n,

nun seht, wie schön sie durch den Weltraum gleiten...

 

II. Die Kometen

 

Nun seht, wie schön sie durch den Weltraum gleiten,

so leise, dunkel, durch die Welt aus Eis

und suchen doch im Laufe ihrer Reis'

für ihre Art nur neue Möglichkeiten.

 

Asteroiden rasen durch die Weiten,

verdampfen, glühen, brodeln kochend heiß,

verlieren Masse, doch ist dies der Preis,

dass sie sich schnell von Schmutz und Eis befreiten.

 

Und endlich schweifen leuchtend sie vorbei,

uns reich mit ihren Gaben zu belohnen,

wie viele Wünsche haben wir doch frei…

 

...obgleich sie sich als Preis selbst wenig schonen.

Geliebt sind sie, wenn's auch ihr Ende sei,

Kometen, die den Himmelsraum bewohnen.

 

III. Pluto

 

Kometen, die den Himmelsraum bewohnen,

sie zieh'n vorbei an Plutos dunkler Bahn

und meiden ihn, dem unter unsrem Bann

nichts bleibt, als so verstoßen dort zu thronen.

 

Doch könnte er mit Schätzen uns belohnen,

die, wer den Mut hat, dort bewundern kann.

Hat sich die Unterwelt erst aufgetan,

will er mit Ruhe uns vorm Leben schonen.

 

Die Hölle schreckt nur den, der nicht erkennt,

welch dunkle Mächte in der Seele wohnen,

und die erst wirken, wenn sie abgetrennt.

 

Doch könnte sich ein Blick nach innen lohnen,

denn reich wird, wer sich zu sich selbst bekennt,

und weiter geht's vorbei an Plutos Zonen.

 

IV. Neptun

 

Und weiter geht's vorbei an Plutos Zonen,

wir tauchen ein in Neptuns blaues Reich

und spüren, dass im Wesen alles gleich -

dies tragen wir im Herzen als Visionen.

 

Doch schenkt uns Neptun oft nur Illusionen,

des Lebens Härte machen sie dann weich,

und wenn man dies erkennt auch nicht sogleich,

schützt es uns doch vor engen Konventionen.

 

Vertrauen ist's, worum es hierbei geht,

dies soll auf unsrem Weg uns stets begleiten,

weil niemand wirklich alles ganz versteht.

 

Und gibt es auch zu viel Unwägbarkeiten,

ein tiefes Wissen doch in uns besteht,

da Neptun selbstlos hilft durch schwere Zeiten.

 

V. Uranus

 

Da Neptun selbstlos hilft durch schwere Zeiten,

so fliegen wir nun zum Uranus hin.

Des Himmels Herrscher war er zu Beginn,

bis ihm sein Sohn ein Ende sollt' bereiten.

 

Doch offen war er stets für Neuigkeiten,

und Umsturz war sehr wohl nach seinem Sinn,

was Fortschritt und an Kenntnissen Gewinn

für uns gebracht, um unsren Geist zu weiten.

 

So schiebt auch eure Grenzen hoch hinaus,

verliert euch niemals in Alltäglichkeiten

und tretet aus dem Kernschatten heraus.

 

Auch lasst euch eure Zukunft nicht entgleiten,

löscht nie das Lebensfeuer in euch aus,

damit Uranus Neues kann verbreiten.

 

 

VI. Saturn

 

Damit Uranus Neues kann verbreiten,

er oft und gern bei Gaia sich befand.

Die Söhne hat er, ungeliebt, verbannt,

bis dann Saturn beschloss, für sie zu streiten.

 

Von Mutter Gaia ließ er sich verleiten,

hat seinen Vater in der Nacht entmannt,

dass fortan er an erster Stelle stand.

So wurd' er Herrscher über gold'ne Zeiten.

 

Er schenkt Geduld und lehrt zu tragen Leid,

am Ende wird die Ausdauer sich lohnen,

denn nur wer sät, dem winkt die Erntezeit.

 

Und so vergingen wieder Jahrmillionen,

doch dann, wie schon vom Vater prophezeit,

ließ sich Saturn am Ende auch entthronen...

 

VII. Jupiter

 

Ließ sich Saturn am Ende auch entthronen

von Jupiter, den töten nicht gelang,

da einen Stein er statt des Sohns verschlang,

so bildeten sich neu hier die Fraktionen,

 

die seitdem den Olympus stolz bewohnen.

Gott Jupiter mit Blitz und Donnerklang

die Feinde schreckte und mit Macht bezwang,

doch liebte er's, den Frauen beizuwohnen...

 

Philosophie er brachte und das Recht,

den Jahreszeiten gab er die Sektionen,

und "silbern" hieß das menschliche Geschlecht.

 

Gut lebten wir für viele Jahrmillionen,

wo Weisheit herrschte, die ganz wahr und echt,

so kam mit Glück uns Jupiter belohnen!

 

VIII. Mars

 

So kam mit Glück uns Jupiter belohnen -

dies hat der Mensch nur leider nicht geehrt,

so blieb das Paradies ihm dann verwehrt,

vertrieben wurd' er aus des Glücks Bastionen.

 

Der Krieg begann, es kämpften Legionen,

so hat die Freud' in Leiden sich verkehrt

und ist nie mehr zu uns zurückgekehrt,

doch schuf man Reiche, mächtige Nationen.

 

Und dieser Fortschritt gab uns wieder Mut,

es öffneten sich neue Möglichkeiten,

wenn auch oft schlecht, war's als Erfahrung gut.

 

Denn Antrieb reißt uns aus Bequemlichkeiten,

das Abenteuer ist des Lebens Glut,

auf dass uns Mars voll Tatendrang mag leiten!

 

IX. Mond

 

Auf dass uns Mars voll Tatendrang mag leiten,

da braucht es nicht nur Kraft, es braucht noch mehr,

was nutzt ein Sieg, der ohne Seele wär?

Gefühle sind die wahren Kostbarkeiten!

 

Glück, Angst, Wut, Trauer - die Befindlichkeiten,

sie wogen wie das weite tiefe Meer,

und ohne sie wär'n unsre Herzen leer.

Wir sind wie Harfen - dies sind unsre Saiten!

 

Und singt der Mond, dann stimmen wir mit ein,

Musik erfüllt der Seelen Kathedralen

und alles glänzt in seinem Perlenschein.

 

So bleibt ergriffen steh'n vor den Portalen,

denn hier erträumt sich eigentliches Sein,

schon küssen uns des Mondes sanfte Strahlen...

 

X. Erde

 

Schon küssen uns des Mondes sanfte Strahlen,

und auf der Mutter Erde steh'n wir nun,

die wir beherrschen wollen ohne Ruh'n,

was ihr und uns nur bringt noch mehr an Qualen.

 

Wer wird wohl unsre Zeche einst bezahlen?

Die Kinder fluchen bald schon unsrem Tun,

doch lassen wir es gern auf sich beruh'n

und warten auf die Krisen, die globalen...

 

Schnell sollten wir erkennen die Gefahr,

in die wir, ausweglos, schon bald gelangen,

nur sagt nicht, dass dies unabwendbar war.

 

Schon bald hilft uns kein Bitten und kein Bangen,

vielleicht können wir's schaffen, um ein Haar,

damit uns Erdens Segen kann umfangen.

 

XI. Venus

 

Damit uns Erdens Segen kann umfangen,

lasst weiterfliegen uns zu jenem Stern

der Sinnlichkeit - wer fühlte sie nicht gern -

entfacht durch Reiz und glühendes Verlangen.

 

Ihr Auge strahlt, es brennen ihre Wangen,

doch allzu oft bewundern wir's von fern,

als ob wir ihres Anblicks unwert wär'n,

weshalb wir sie in Liedern nur besangen.

 

Durch Venus erst spür'n wir des Lebens Fluss,

dass niemals wir ertrinken in Mühsalen,

denn Leben ist in Wahrheit nur Genuss.

 

Lasst taumeln uns in ihren Glückspiralen,

empfangen freudig ihres Lebens Kuss!

So schweben wir in Venus' Orbitalen...

 

XII. Merkur

 

So schweben wir in Venus' Orbitalen,

denn Sinnlichkeit gebiert doch erst den Geist,

was unausweichlich, wenn man weit gereist,

um uns zu öffnen nun dem Rationalen...

 

Der Merkur ist die Gottheit des Mentalen,

Hermaphrodit, wie man ihn auch oft heißt,

ist listenreich, erfinderisch und - dreist!

Doch immer an der Kette des Kausalen...

 

Nah an der Sonne er im Äther schwingt,

als Götterbote oft zu uns gegangen,

dass höchste Offenbarung er uns bringt.

 

Zum wahren Wissen wir somit gelangen,

zu lauschen, was der Sterne Lied uns singt,

mit Weisen, die von Merkurs Leier klangen.

 

XIII. Sonne

 

Mit Weisen, die von Merkurs Leier klangen,

ist unser Ziel, die Sonne, bald erreicht:

Der helle Stern, der keinem andren gleicht,

der uns am Ziel der Reise wird empfangen!

 

Seit Sonnenwinde durch das Weltall schwangen,

gibt Wärme sie und macht das Leben leicht,

verschenkt die Liebe, die für alle reicht,

dass alles Leid für immer sei vergangen!

 

Die Sonne erst macht heil die Welt und ganz!

Wenn wir sie dann umkreist nach vielen Malen,

erstrahl'n auch wir in ihrem ew'gen Glanz.

 

Die lange Reise wir uns selbst empfahlen,

und so am Ende hier den großen Tanz

verheißt die Sonne vor den Licht-Portalen...

 

XIV. Der Kosmos

 

Verheißt die Sonne vor den Licht-Portalen

Erlösung, ist sie ja das Himmelstor

und leitet den geheimen Sternen-Chor,

gibt ihr das wohl das Recht und Grund zum Prahlen.

 

So hört die Lieder, all die triumphalen,

die brachten ihre Sterne hier hervor,

die stiegen in den Äther hoch empor,

zu Ehren unsrer Sonne, der sakralen.

 

Die Sterne leben in uns weiter fort,

sind unter- und auch wieder aufgegangen,

denn ohne sie gäb's weder Zeit noch Ort.

 

Der Kosmos, den wir hier im Lied besangen,

er gibt aus Liebe uns sein Ehrenwort:

Noch in Äonen werden Sterne prangen!

 

XV. Lied der Sterne

 

Nun seht, wie schön sie durch den Weltraum gleiten,

Kometen, die den Himmelsraum bewohnen.

Und weiter geht's vorbei an Plutos Zonen,

da Neptun selbstlos hilft durch schwere Zeiten.

 

Damit Uranus Neues kann verbreiten,

ließ sich Saturn am Ende auch entthronen,

so kam mit Glück uns Jupiter belohnen,

auf dass uns Mars voll Tatendrang mag leiten!

 

Schon küssen uns des Mondes sanfte Strahlen,

damit uns Erdens Segen kann umfangen,

so schweben wir in Venus' Orbitalen!

 

Mit Weisen, die von Merkurs Leier klangen,

verheißt die Sonne vor den Licht-Portalen:

Noch in Äonen werden Sterne prangen!

 

 

(25.01.2021, überarbeitet 20.06.2022)